Mieteinheiten der Wissell-Siedlung Teil der Spekulationsgeschäfte:

Vonovia greift nach Adler Group

Nur kurz war die Erholungsphase des Aktienkurses der Eigentümerin der gut 700 ehem. Westgrund-Wohneinheiten westlich des Magistratswegs, der Adler Group S.A., nach dem 1,4 Mrd EUR starken Erlös aus den Verkäufen von über 15.000 Wohnbeständen an die LEK bzw. KKR im Herbst 2021 (s. Adler bleibt in der Wissell-Siedlung!? v. 4.11.21). Jetzt hat der Branchenriese Vonovia zugeschlagen und hat 20,5% der Anteile aus der Hand des bislang größten Adler-Anteilseigner, der Aggregate Holding Invest gepfändet. Und steht nun selber am einflussreichen “Drücker” der Luxemburger Adler Group.

Eigentlich könnte man doch meinen, den Mieter:innen kann es ja egal sein, wem die Häuser inklusive Grund und Boden gehören, denn letztlich – so meinen manche – kann immer nur das an Miete verlangt werden, was “der Markt” hergibt und in einem Punkt seien doch die Mieter- und Vermieterinteressen deckungsgleich: Wert und Zustand der Immobilie muss gut erhalten bleiben.

Pustekuchen, denn die Geschichte vom Zusammenschluss von Adler, Westgrund, ADO und Consus zur Adler Group S.A.  und deren Aufstieg, Schlingerkurs und Sinkflug an der Börse ist ein perfektes Beispiel dafür: Wohnen ist ein fruchtbares Feld für lukrative Spekulationen!

Anfang Oktober 2021, angesichts der auf knapp ein Drittel ihres Wertes gesunkenen Aktie verkündet die Adler Group, dass sie mit dem  Verkauf eines großen Teils ihrer Wohnungen den zu hohen Verschuldungsgrad (LtV Loan to Value) auf die übliche Mindestgrenze unter 50% senken wird. (s. Adler verkauft Westgrund-Wohnungen v. 6.10. 21)

Das Interesse an einer Übernahme – nicht nur von kleinen – Anteilen der Wohnungsbeständen der Adler Group hat Deutschlands größter Immobilienkonzern Vonovia schon in jenen Tagen verkündet. Wollte aber wohl den kurz davor getätigten noch viel größeren Schluck der Deutschen Wohnen erstmal “verdauen”. (s. Wirtschaftswoche Vonovia will Adler Group ganz oder gar nicht v. 4.11.21)

Zur gleichen Zeit ist z.B. im Handelsblatt (am 7.10.21) zu lesen, dass der britische Shortseller/Leerverkäufer Fraser Perring “einen unbekannten Betrag auf den Fall der Aktie der Adler Group gesetzt hat” und im Verbund mit seinem Viceroy financial Research  eine Bericht veröffentlichte, mit Vorwürfen, die Adler des Betrugs und der Verschleierung von Beteiligungen bezichtigen. Darunter auffällige Geschäfte im Zusammenhang der Beteiligung und Fusionen von Adler, ADO, Consus und dem schon oben erwähnten Großaktionär Aggregate – hinter dem die österreichischen Immobilienmagnaten Walcher und Caner stehen.

Die Aggregate Holding war damals Investor bei allen drei Beteiligten der Fusion zur Adler Group und so soll es in diesem Prozess, laut Viceroy u.a. zu einer merkwürdigen Aufwertung gekommen sein, einer 49 Mio. EUR Beteiligung von Aggregate an der CG Group, für die binnen eines Jahres Consus-Aktien im Wert von 870(!) Millionen Euro an Aggregate gegangen sein sollen. (s. Adler vs Fraser… v.18.2.22 auf institutional-money.com)

Die Beschuldigung  haben sowohl das Ansehen und Vertrauen in Adler wie auch in Aggregate, bei Anlegern, Banken und Wertehändlern schwer beschädigt. Ausgerechnet Vonovia wurde von Aggregate dafür gewonnen, der Holding einen 250 Millionen Euro Bankkredit abzulösen. Die dort als Pfand hinterlegten 20,5% Anteile an der Adler Group dienten weiterhin  als Sicherheit, nun aber für Vonovia. Deren Hunger nach noch mehr Immobilienbeständen ist offenbar selbst nach der Riesenportion der Deutschen Wohnen immer noch nicht gestillt.

Gute Gelegenheit, dass im Januar die Adler Group vermelden musste, dass die Veröffentlichung des Jahresabschlusses und somit auch des Testats der prüfenden KPMG aufgrund der im Raum stehenden Beschuldigungen nicht, wie erforderlich, im März 2022 erfolgen kann.

Das führte zu einem erneuten Sinkflug des Adler-Aktienkurses. Vor wenigen Tagen, noch besonders verstärkt durch die Meldung, dass von internationalen Großbanken, wie Goldman Sachs und JPMorgan Chase & Co, sogenannte Recovery Swaps angeboten werden, in denen ihre Kunden darauf lukrative Wetten setzen können, wieviel oder besser wie wenig, die Investoren der Adler Group im Falle eines Konkurses noch für ihre Anteile bekommen werden. (s. institutional-money.com Adler Group: Goldman, JP Morgan bieten Recovery swaps v. 9.2.22)

Alles in allem anscheinend Grund genug für Vonovia sich nun die Verwertung des Pfandes, der 20,5% Adler-Anteile (von ca 26% der Aggregate) mit allen Optionen vorzubehalten. Dagegen wehrt sich Aggregate. Offen auch die Frage ob bzw. wann Vonovia diesen maßgeblichen Anteil auch als Stimmrecht nutzen kann. Der Adler-Aktienkurs ist gestern aber gleich in die Höhe gegangen. Vielleicht in der Hoffnung auf eine Komplettübernahme durch den Branchenriesen?
(s. Vonovia pfändet Adler-Aktien v. 22.2.22 Der Aktionär)

Auch als Adler-Mieter:in aus der Großwohnsiedlung in Staaken,  darf man in den kommenden Tagen durchaus mal den einen oder anderen gespannten Blick in die Wirtschafts- und Finanzmedien werfen. 

Diese Geschichte(n) über Spekulationen mit
Wohnimmobilien sind aber richtig gutes Futter für die

Diskussionsveranstaltung
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u.a. mit

  • Joachim Krawczyk-Kremer (KiezTeam Spandau, Deutsche Wohnen & Co. enteignen)
  • Richard Nirschl (Aufstehen Spandau)
  • Michael Prütz (Mieteraktivist, Gründungsmitglied Deutsche Wohnen & Co. enteignen)
  • Jürgen Wilhelm (Berliner Mieterverein Spandau)
  • Klaus Byszio (Delegiertenrat Berliner MieterGemeinschaft)
  • Peter Keibel (IG Bau Spandau)
  • Ingrid Hoffmann (Deutsche Wohnen & Co. enteignen)

Moderation: Peter Hoffmann (Aufstehen Spandau)

 

 

 

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