Heute vor 100 Jahren

Eröffnung der Heerstraße durch Kaiser Wilhelm Zwo

In diesem Jahr begehen wir das 100. Jubiläum der Heerstraße, deren Geschichte mit verschiedenen Veranstaltungen und einer Ausstellung aufgearbeitet werden wird. Wir beginnen heute mit einer kleinen Erinnerung an die Eröffnungsfeier der Heerstraße, die genau vor 100 Jahren stattfand.  

KW-II

Kaiser Wilhelm II., unser damaliges Staatsoberhaupt, hielt auf dieser Feier eine auch in der internationalen Presse viel beachtete Rede. Die Eröffnungsfeier fand statt auf dem sogenannten Reichskanzlerplatz – dem heutigem Theodor-Heuss-Platz. Der Platz war damals schon gärtnerisch aufwendig angelegt, die Fahrbahn und die Bürgersteige sorgfältig gepflastert. Doch ringsum war alles noch unbebaut. Das heißt, der Platz und die sich westlich anschließende Heerstraße waren noch von Kiefernwald und Werbeschildern mit der Aufschrift „Baustellen verkäuflich“ gesäumt.

Zu Pferde sitzend, einen Helm mit weißem Federbüschel tragend skizzierte Wilhelm Zwo an dieser Stelle die zukünftige Entwicklung des Deutschen Reiches aus seiner Sicht. Das Publikum bestand aus dem vollständig angetretenen Garde-Pionierbataillon aus Brandenburg und der 5. Leib-Husaren-Brigade aus Spandau. Die zivilen Gäste waren eine Reihe preußischer Staatsminister, der Hauptprediger des Berliner Doms sowie die Bürgermeister und Landräte von Berlin, Charlottenburg und Spandau. Hier ein kurzer Auszug aus der Rede des Kaisers:

„Es war mir eine besondere Freude, durch Ihre Einladung Gelegenheit zu erhalten, an der heutigen Einweihungsfeier der neuen Heerstraße teilzunehmen und unter den Bürgern meiner Haupt- und Residenzstadt zu weilen. Der mit der Gewährung der Selbstverwaltung von Meinem Ahnen Seinem Volke gegebene Beweis des Vertrauens und der damit verbundene Appell an die geistige und sittliche Kraft des Bürgertums hat reiche Früchte gezeitigt. Echtes Gold wird klar im Feuer. Das echte Gold deutscher Treue und Tüchtigkeit, welche die Bürgerschaft der preußischen Städte erfüllen, ist im Feuer der Befreiungskriege geklärt und in hundertjähriger, ernster, opferfreudiger Arbeit für das Gemeinwohl bewährt. Diese Erkenntnis gibt Mir die Zuversicht, daß die preußischen Städte unter ihnen voran Meine Residenzstadt Berlin mit ihren Nachbarn Charlottenburg und Spandau auch in Zukunft die großen Aufgaben kommunalen und staatlichen Vorwärtsschreitens in Treue, Gewissenhaft und Kraft erfüllen werden. Es gibt kein besseres Bild für dieses Vorwärtsschreiten, für diese Zuversicht, als diese neue Heerstraße hier in Meinem Vaterlande  Preußen . . .„

Quellen

  • Die Reden Kaiser Wilhelm II in den Jahren 1906 bis 1912, gesammelt und herausgegeben von Dr. Bogdan Fiedler,  Königlicher Hausbibliothekar,  Leipzig 1913,  Druck und Verlag Prussia Severitate Superia, PSS
  • Fotonachweis:  Bundesarchiv Bild 136-B0242

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