Berlins 1. behindertengerechte Bushaltestelle:

Barrierefrei oder doch nur barrierearm?

Großer Bahnhof* am  vergangenen Mittwochvormittag, zur Einweihung der kleinen Bushaltestelle Obstallee des M37 und 131er, am Blasewitzer Ring. Grund: 6 Zentimeter mehr für den Einstieg, die den entscheidenden Unterschied bringen sollen von der 16 cm hohen Kante zu der vermeintlich barrierefreien Höhe der ersten behindertengerechten Pilothaltestelle bei uns in der Großwohnsiedlung Heerstraße.

Aber nicht nur die Bordsteinhöhe macht es aus, dass alle auf “rollende Hilfsmittel” angewiesenen Mitbürger*innen frei von fremder Hilfe und ohne Klapprampe den Bus besteigen können. Denn nur wenn den Busfahrer*innen eine möglichst gerade Anfahrt zur Haltestelle ermöglicht wird, kann die erstrebte und notwendige Lücke von max. zwei Zentimeter zwischen Bus und Einstiegsbord auch erreicht werden.

Das ist zur Einweihung nur zwei von sechs Bussen gelungen, obwohl die im vergangenen Jahr für knapp 40.000 EUR ausgebaute Bushalte sogar ein Meter länger ist als die Übliche mit dem bis dato barrierefrei geltenden 16er Bord.

So reicht z.B. schon ein vor der Haltestelle in die Fahrspur ragender Außenspiegel eines parkenden Fahrzeugs oder ungeduldige, ganz vorne an der Kante stehende BVG-Kunden, die eine enge Anfahrt an den Bordstein behindern. Obendrein kann z.B. ein Doppeldecker nicht soweit abgesenkt werden um bis auf die unbedenkliche Lücke von 1-2 cm zum Einstiegsbord heranzureichen.

Selbst die kleine Lücke kann für Rollis mit kleinen Rädern zum großen Problem werden, das nur mit fremder Hilfe oder mit Mut und Geschick zu überwinden ist. Aber nicht jede(r) Rollifahrer*in traut sich in Rücklage oder rückwärts in den Bus einzufahren.

Es bleibt also zu prüfen, ob es wirklich “nur auf die Höhe” ankommt und ob die Erfahrung im alltäglichen Betrieb mit der ersten “barrierefreien Haltestelle” am Blasewitzer Ring so ausfällt, dass das 22er Einstiegsbord auch dauerhaft Standard sein kann für die barrierefreie Bushaltestelle der Zukunft.

Es gibt noch viel zu tun, nicht nur beim speziellen Anfahrtstraining der Busfahrer*innen, das auf zwei BVG-Betriebshöfen möglich ist, sondern auch bei den rund 6.500 Bushaltestellen, für deren Ausbau in diesem Jahr 3,5 Mio und in 2021 fünf Millionen Euro zur Verfügung stehen.

Passend aber, dass dieser “erste Schritt in die richtige Richtung”  der nach neuem “Standard” errichteten Bushaltestelle inmitten des Teils der Großwohnsiedlung Heerstraße liegt, die Ende der 60er, Anfang 70er Jahre aufgrund der unermüdlichen Überzeugungsarbeit von Hans Hill – dem damaligen Spandauer Sozialstadtrat und AWO-Vorsitzenden – komplett mit behindertengerechten Aufgängen erstellt wurde.

*Großer Bahnhof mit den Offiziellen bei der Einweihung der Bushaltestelle am 29. Januar:
Spandaus Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank ( Mitte des Fotos) und Baustadtrat Frank Bewig (rechts) dazwischen der Staatssekretär für Verkehr Ingmar Streese. Neben dem Vertreter der BVG, die Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderung, Christine Braunert-Rümenapf (3. v. links) und die Vorsitzende des Landesbeirates für Menschen mit Behinderungen, Kathrin Geyer (2. v. links), und (links im Foto) Sargon Lang, Beauftragter für Senioren und Behinderte im Bezirks Spandau. Ebenso mit dabei, weitere Mitglieder aus dem bezirklichen Beirat, Mitarbeiter*innen aus dem Spandauer Straßen- und Grünflächenamt sowie Presse und andere Neugierige …

 

 

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