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Ein Ausflug mit viel Geschichte(n) von Dagmar Hecker

Gutspark, Schloss und Kirche

Veröffentlicht am 27. 01. 2015

Gleich „hinterm Busch“, za krowje, in Sacrow war  Dagmar Hecker (ehrenamtliche Redakteurin der Stadtteilzeitung TREFFPUNKT) unterwegs und hat viele Eindrücke und Geschichten gesammelt und aufgeschrieben über die Heilandskirche, den Gutspark und das Schlösschen: 

 

„Der Sacrower Gutspark mit dem Sacrower Schloss und der Heilandskirche im Potsdamer Ortsteil Sacrow

Am 27. September 2014, einem schönen Spätherbsttag, begab ich mich mit einer kleinen Gruppe auf den Weg, um das seit 1990 anerkannte UNESCO-Weltkulturerbe um das Schloss und den Gutspark mit der Heilandskirche zu erkunden. Die Welterbeliste wurde 1992 ergänzt.

Ein Schloss mit Zeitspuren

Potsdam_Sacrow_palace_Wikimedia Commons _Doris AnthonyHinter Kladow im Potsdamer Stadtteil Sacrow liegt der wunderschöne Sacrower Schlosspark mit dem Sacrower Schloss und der Heilandskirche.

 

Die Ursprünge des Ortes Sacrow gehen zurück auf ein Rittergut, das erstmals im 14. Jahrhundert im Landbuch Kaiser Karls IV. erwähnt wurde. Das Sacrower Schloss stammt aus dem Jahre 1773. Im Jahre 1816 erwarb der Berliner Bankier Magnus das Gut, das die Familie als Sommersitz nutzte. Zu den Gästen gehörten auch Angehörige der Familie Moses Mendelssohn. Felix Mendelssohn Bartholdy komponierte hier wahrscheinlich Teile seines Streichquartetts in a-Moll (Op. 13).

Auf dem Gutsgelände wurde eine Produktionsstätte für Bleizucker und Bleiweiß eingerichtet, die etwa zwanzig Jahre bestand und zu einer nachhaltigen Verunreinigung des Erdreiches führte. Danach wurden das Schloss und das Gut Sacrow verkauft.

Ein entscheidendes Datum für Sacrow war das Jahr 1840, als König Friedrich Wilhelm IV. Gut und Herrenhaus für 60.000 Taler von Magnus kaufte. Sein Hofarchitekt Ludwig Persius erweiterte das Gebäude. 1842 wurde von dem berühmten Landschaftsarchitekten Peter Joseph Lenné das herausragende königliche Parkareal angelegt. Es berücksichtigte Sichtachsen, die den Blick auf die benachbarten Schlösser Pfaueninsel, Glienicke und Babelsberg freiließen. Seit dieser Zeit wird das Herrenhaus in Sacrow als Schloss bezeichnet.

Im Dritten Reich (1938) wurde das Schloss umgebaut. Dabei verlor es im Inneren vollständig seine barocke Gestalt. Nach dem zweiten Weltkrieg erlitt die an der ehemaligen innerdeutschen Grenze gelegene Schlossanlage durch verschiedene Nutzungen weitere Verluste. In der DDR wurde 1945 das Schloss „Volkseigentum“. Das Gelände ist fortan ein gesichertes Areal und für Zivilpersonen nicht mehr zugänglich.

Nach der Wiedervereinigung wurden das Schloss und Teile des Parks wegen der 2009 entdeckten Kontaminierung zwei Jahre lang für die Öffentlichkeit gesperrt, bis 2012 eine Dekontamination durchgeführt wurde. Schon 1993 war das Schloss in den Besitz der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten übergegangen. Die 1.000-jährige Eiche westlich des Schlosses soll der älteste Baum Potsdams sein. Sie ist als Naturdenkmal geschützt.

Der Schlosspark ist eine wunderbare grüne Oase zum Spazierengehen, naturbelassen, wunderschön und strahlt eine fantastische Ruhe aus. Mit dem tollen Ausblick auf die Havel fühlt man sich mitten in der Natur und kann von der Großstadt Urlaub machen. Das Gebiet liegt in einer wunderschönen Naturlandschaft und ist mit sehr gut ausgebauten Wanderwegen durchzogen. Die Aussicht und die wohltuende frische Luft werden jeden verzaubern.

Die Heilandskirche am Port von-Sacrow

Über die erste Sacrower Kirche ist wenig bekannt. Der kleine Barockbau hat oft den Besitzer gewechselt. Das aus Felssteinen gemauerte Gotteshaus verfiel höchstwahrscheinlich während des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648).

Heilandskirche_Sacrow_Foto Jutta M. BethgeSüdlich des Potsdamer Ortsteils Sacrow befindet sich eine der schönsten Kirchen in der Umgebung von Berlin: die von Ludwig Persius erbauten Heilandskirche. Gelegen unmittelbar am Havelufer am Port von Sacrow, ragt sie auf einer Landzunge in den Fluss hinein und vermittelt tatsächlich den Eindruck eines vor Anker liegenden Schiffes.

 

In der Zeit von 1841 bis 1844 entstand die Heilandskirche als sakrales Gebäude im italienischen Stil mit freistehendem Campanile (Glockenturm). Nach Baubeginn im Jahre 1841 fand die feierliche Einweihung am 21. Juli 1844 statt. Der Bau der Mauer im August 1961 führte im Laufe der darauffolgenden Jahrzehnte zur fast vollständigen Zerstörung der Heilandskirche. Die deutsch-deutsche Grenze verlief direkt über das Gelände an der Kirche. Das Kirchengebäude stand nun im „Niemandsland“. Gleichwohl fanden noch bis Heiligabend 1961 regelmäßig Gottesdienste statt.

Nach dem Fall der Mauer wurde am Heiligen Abend 1989 nach 28 Jahren wieder ein Gottesdienst gehalten. Der zu diesem Zeitpunkt noch zerstörte Innenraum der Heilandskirche erhielt nach aufwändiger Restaurierung in den Jahren 1993 bis 1995 sein heutiges Gesicht, und es finden regelmäßig Gottesdienste, Konzerte, Taufen und kirchliche Trauungen statt.

Die Kirche besteht aus einem frei stehenden Glockenturm (Campanile) und einem Sakralbau. Der langgestreckte schmale Kircheninnenraum war für mich faszinierend. In gut neun Metern Höhe schließt eine Holzdecke den Kirchenraum ab. Die Deckenfelder wurden mit einer kobaltblauen Tuchbespannung mit hellgelben Sternen und die Apsis mit einer Halbkugel versehen (1994 rekonstruiert). Auf der Westempore erhielt die Orgel ihren Platz. Die Musterung des Fußbodens wurde im Mittelgang mit farbigen Fliesen und im Altarraum mit unterschiedlich eingefärbtem Estrich hergestellt. Das in Querrichtung verlaufende Gestühl ist in vier Blöcken mit Türen zwischen den Bankreihen angeordnet. Vor dem Altarraum befindet sich der kelchförmige Taufstein aus weißem Marmor.

Auf den Konsolen zwischen den Obergadenfenstern sind Lindenholz-Statuetten der zwölf Apostel platziert. Diese einzigartige Baugestalt und die traumhafte Lage ließen die Kirche zu einer der schönsten Schöpfungen deutscher Romantik werden. Ein Traum ist hier Wirklichkeit geworden.

Das halbrunde Apsisgemälde ist ein wirkliches Fresco. Seit 1995/96 erstrahlt das monumentale Gemälde wieder in alter Pracht. Das Kirchenschiff ist von offenen Säulenarkaden umgeben, die eine Verblendung aus Backstein im gelblich-rosa Farbspiel mit horizontalen Streifen blau glasierter Fliesen erhielten. Der quer vorgelagerte gepflasterte Vorplatz ist von einer gemauerten Brüstung umgeben. Auf der Wasserseite befindet sich eine Rundbank, die zum Ausruhen einlädt, und auf der gegenüber liegenden Nordseite erhebt sich der freistehende Campanile.

Auf dem rechteckigen Vorplatz steht der über 20 Meter hohe Turm, der die gleiche Backsteinverblendung  mit dem eingelegten Fliesenmuster hat. Die Rundbogenöffnungen nehmen nach oben zu und enden im letzten Geschoss in einem offenen Belvedere. Den Abschluss bildet ein flaches Zeltdach mit Kugel und Kreuz. Der Campanile trägt eine 600 Jahre alte Bronzeglocke

Auf einer 1928 geschaffenen Gedenktafel aus grünem Dolomit über der Eingangstür des Campanile befindet sich Atlas mit der Weltkugel und der Denkschrift: „An dieser Stätte wurde 1897 die erste Deutsche Antennenanlage für drahtlosen Verkehr errichtet“.

Nahe der Heilandskirche befindet sich auch eine Dampferanlegestelle. Hier hält in den warmen Monaten das Potsdamer Wassertaxi. Für mich war dieser Ausflug zum Schlosspark und zur Heilandskirche in Sacrow ein ganz besonderes und einzigartiges Erlebnis.

Und so erreichen Sie den Sacrower Schlosspark: Der Bus der Linie 134 fährt von Spandau cirka 40 Minuten bis zur Haltestelle Neukladower Allee. Dort wird umgestiegen in den Bus 697 (fährt nur einmal stündlich) und nach einer halben Stunde an der Haltestelle Schloss Sacrow ausgestiegen.“

Dagmar Hecker

Heilandskirche2_Foto Jutta M. BethgeÖffnungszeiten Heilandskirche:
geöffnet an allen Feiertagen sowie
November – März
Sa & So 11 – 15

April – Oktober
Di bis So 11 – 18

 

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