U-Bahn in Spandau

30 Jahre und kein bisschen weiter

Heerstr./Magistratsweg 1972 Foto Horst Becker/Geschichtstreff Staaken
1972 wie noch heute auf Plan: U7 bis Magistratsweg

Am 1. Oktober konnte Spandau zurückblicken auf 30 Jahre Anschluss an das Berliner U-Bahnnetz bis zum Rathaus Spandau. Fast in Vergessenheit geraten ist aber, dass dort noch lange nicht das Ende der U7 sein sollte.  

 

Lange hat es gedauert, von den ersten U-Bahnplänen nach Spandau vor ca. 100 Jahren bis zur Eröffnung am 1. Oktober 1984, der bis heute noch unumstritten teuersten Linienführung über Nord-Charlottenburg, Siemensstadt, Haselhorst und unter der Altstadt durch bis zum Rathaus.

Dort in der U-Bahnstation Rathaus Spandau erinnern aber tagtäglich die beiden toten Gleisstränge daran, dass mal mehr als nur eine Spandau-Linie vorgesehen war.

Neben zwei Weltkriegen und den klammen Kassen danach waren es auch die miteinander konkurrierenden Varianten der Linienführung, die über die Jahrzehnte hinweg die Realisierung einer U-Bahnverbindung bis über die Havel hinaus verzögert haben.

Wie die Ausstellung “100 Jahre Heerstraße” des Geschichtstreffs Staaken schon gezeigt hat, wurden bereits mit dem Ausbau der noch schmalen Bismarckstraße ab 1904 zum breiten Boulevard im Untergrund die Röhren verlegt für die Verlängerung der am “Knie” endenden sog. Stammstrecke bis zum Reichskanzlerplatz, mit Abzweig an der Station “Deutsche Oper” zum Rathaus Charlottenburg am Wilhelmplatz (heute Richard-Wagner-Platz).

Mit dem raschen Wachsen der Arbeitsplätze in den Siemenswerken wird bald daran gedacht diesen Abzweig über Rohrdamm und Nonnendamm bis zu den Kabelwerken in Gartenfeld zu verlängern. Schon mal dort ist dann geplant, die Oberhavel zu überqueren und die Strecke überirdisch bis in die Spandauer Neustadt zu führen, wie der Havelländische Anzeiger 1913, ein Jahr vor dem 1. Weltkrieg schreibt.

Schon damals wurde heftig darüber gestritten ob es nicht sinnvoller und kostengünstiger wäre Spandau durch eine weitere Verlängerung der Stammlinie vom Reichskanzlerplatz (Theodore-Heuss-Platz) und der 1913 eröffneten Haltestelle “Stadion”  zu erreichen. 1929 war es dann soweit und mit “Ruhleben” ist zum ersten Mal, wenn auch weit abgelegen, Spandauer Territorium erreicht.

Die Fortführung der heutigen U2 mit den Stationen “Ruhlebener Straße”, Tiefwerder bzw. Schulenburgstraße  bis zum Rathaus und dort auf den bereits angelegten aber ungenutzten Gleisen weiter bis ins Falkenhagener Feld hat immer noch Bestand.

Eine weitere Variante brachte 10 Jahre später Albrecht Speer mit seinen Plänen für die “Welthauptstadt Germania” und der gigantischen Hochschulstadt zwischen Bahnhof Heerstraße und Pichelsberg. Unter der Heerstraße, als Teil der Ost-West-Magistralen, sollte die Linie darüber hinaus das Weltausstellungsgelände auf Pichelswerder anbinden und in Pichelsdorf sich nach Gatow/Kladow bzw. über Wilhelmstadt und Altstadt bis zum Johannesstift verzweigen.

Von 1955 bis 1972 wird unter dem Kürzel B die im wesentlichen gleiche Streckenvariante von Uhlandstraße über Halensee und “Theo” bis Pichelsdorf und Rathaus Spandau im sogenannten 200 km Plan noch aufgeführt.

Es gibt böse Zungen, die behaupten, dass es vor allem die einflussreiche Berliner Baubranche war, die dafür gesorgt hat, dass ab 1971 endlich Ernst gemacht wurde mit der U Bahn nach Spandau – aber eben in der teuersten Steckenführung, als U7 ab Fehrbelliner Platz quer durch das alte Charlottenburg und das nasse Dreieck. Denn dort war, wie unter der Havel und  Spandauer Altstadt der aufwändige und teuere Schildvortrieb unabdingbar.

Auch so erklärt sich, dass erst am 1. Oktober 1984 die U7 am Spandauer Rathaus angekommen ist. Noch heute ist die Verlängerung der U7 über Rathaus Spandau hinaus ein Teil der gültigen U-Bahnplanungen. Mit den Haltestellen Seeburger Straße, Melanchthonplatz, Heerstraße (zwischen Wilhelm- und Fahrmunder Str.) und der Endhaltestelle Staaken soll am Magistratsweg die Großsiedlung Heerstraße unterirdisch erschlossen werden.

„Unterirdisch“ aber auch die zuletzt angegebene Zeitplanung: Vielleicht in 2050 kann, wenn nicht zwischendurch ein anderes öffentliches Bauprojekt in der Prioritätenliste an der U7 nach Staaken vorbeizieht, eine Realisierung eventuell in Angriff genommen werden. Zugegeben, Anfang der 80er Jahre ging man auch noch davon aus, dass die Großsiedlung Heerstraße bis zur Schmidt-Knobelsdorff-Straße reichen und dann auch gut 25.000 Einwohner/innen zählen wird.

Beides – die Erweiterung der Großraumsiedlung und die Verlängerung der U7, wie wohl auch die der U2, wird wohl kaum jemals Realität werden.

Thomas Streicher
(in WILMA Wilhelmstädter Magazin 5/2014 ist von dem Autor ein nahezu identischer Beitrag zu dem Thema erschienen)

 

Karte_u7-Verlaengerung

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