Vertreter der Wohnungsgesellschaften auf SPD/Grüne Veranstaltung im Gemischtes

Alles halb so schlimm!?

Bezirksbürgermeister Kleebank, Hr. Krämer Gagfah, Hr. Burucker GSW, Hr. Sonnenberg-Westeson GAL, und Raed Saleh (stehend)

Die SPD Spandaus und die Grün-Alternative Liste des Bezirks haben zu ihrer dritten gemeinsamen Veranstaltung zum Thema „Zuwanderung aus der Innenstadt – Bezirk im Wandel“ sachkundige Vertreter der Wohnungsgesellschaften Gagfah und GSW am 12.4. ins „Gemischtes“ eingeladen. Und wenn man denen Glauben schenkt, dann ist von der sog. Gentrifizierung in Spandau nichts angekommen. 

Raed Saleh eröffnete die Runde, knüpfte an die beiden vorangegangenen Veranstaltungen an, bei denen für  Wohngebiete am Stadtrand, wie Falkenhagener Feld oder Heerstraße sowohl Risiken als auch Chancen im Rahmen der Verdrängung von Bewohnern aus Citylagen an den Stadtrand diskutiert wurde und eine gesunde soziale Mischung im Vordergrund stehen sollte.

Wie Spandaus Bürgermeister Helmut Kleebank betonte, kommt den Wohnungsgesellschaften dabei eine Schlüsselrolle zu, vor allem angesichts der Zahlen aus dem Job-Center, dass in 2011 Spandau einen Netto-Zuwachs von 750 ALGII Empfängern registriert wurde.

Kein Wunder aber, dass beide Vertreter der Wohnungsgesellschaften keine Tendenz des  verstärkten Zuzugs  von Geringverdienern und Beziehern von Transfereinkommen in ihre Bestände bestätigen konnten bzw. wollten. Denn erstens werden solche Angaben bei den Gesellschaften nicht statistisch erfasst (und dürfen es aus datenschutzrechtlichen Gründen wohl auch nicht) und zweitens wollen beide – vor Jahren privatisierte, ehemals städtische Gesellschaften – sich dagegen verwahren, dass sie mit ihrer Vermietungsstrategie eine Verantwortung dafür tragen, dass in den Stadtrand-Großsiedlungen die berlinweit geringsten Mietpreise erzielt werden können. Die noch vor wenigen Jahren in unserer Großsiedlung teilweise hohen Leerstandsquoten sind auf einem normalen Niveau, ob das auch mit der Tatsache zu tun hat, dass der Mietanteil an den Haushaltsausgaben in Spandau unter dem Berliner Durchschnitt liegt blieb aber offen.

In der  lebhaften Diskussion, die – den Organisatoren sei Dank – von Anfang an das Publikum einbezog wurde immer wieder betont, dass von Instandhaltungs- und Modernisierungsdefiziten (siehe z.B. die teuren und techn. überholten Nachtspeicherheizungen) bis zu Mietpreisverzicht bei Neuvermietungen etc. von den Gesellschaften sehr viel dazu beigetragen wird, dass der Eindruck einer „Binnen-Ghettoisierung“ entsteht bei der „einzelne Quartiere abgehängt werden würden“.

Sowohl Herr Krämer für die Gagfah als auch Herr Burucker für die GSW haben weit von sich gewiesen, dass in ihren Unternehmen solche Strategien Anwendung finden würden, da dies ja mit einer Abwertung ihres Wohnungsbestands und somit des Anlagevermögen verbunden wäre, und letztlich ist „Wohnen“ ein Produkt, dass am Markt den Preis erzielen kann, den Mieter bereit sind zu bezahlen. Den Politikern im Saal gaben sie zum Schluss noch mit, dass es vor allem die überholte Belegungsbindung für die einst im Sozialen Wohnungsbau errichteten Einheiten sei, die mit dazu beitrage, dass eine breitere soziale Durchmischung kaum zu realisieren sei – eine rosige Zukunft und Aufwertung der Spandauer Quartiere aufgrund der Schließung des Flughafens Tegel und der damit verbundenen Fluglärmentlastung sahen aber beide genau so wenig, wie eine  Entwicklung Spandaus zum In-Bezirk weil Künstler und Studenten sich weder Prenzlberg noch Kreuzkölln weiter leisten können.

 

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