Die Familienklasse an der Grundschule am Amalienhof:

Ein Win-Win-Win-Modellprojekt

Veröffentlicht am 12. 06. 2019

Schulklassen sind elternfreie Zonen – auch an der Grundschule am Amalienhof (GsA). Außer am Mittwochvormittag, da drückt ein auserwählter Kreis von Müttern und Vätern gemeinsam mit ihren Kindern die Schulbank … und das freiwillig! Heute vor drei Wochen war die Senatorin für Bildung, Jugend und Familie Sandra Scheeres, zusammen mit Fachleuten aus der Schulverwaltung zu Gast am Weinmeisterhornweg um sich einen Eindruck zu verschaffen, von den Erfahrungen der Kinder, Eltern, Pädagogen und Schulleitung mit dem innovativen Modellprojekt Familienklasse.

Heute in einer Woche endet bereits das dritte Schuljahr in dem das Klassen und Jahrgänge übergreifende Konzept der Familienklasse an der Grundschule am Amalienhof vor allem für Eltern und ihre Kinder angeboten wird, die im Schulalltag durch ihr Verhalten auffällig geworden sind.

Wer da denkt, es geht ausschließlich um Klassenclowns und wilde Rabauken oder unkonzentrierte Faulenzer* und Schulschwänzer* die den Unterricht stören, der irrt gewaltig. Denn im Fokus der Familienklasse sind gerade auch schüchterne Leisetreter* und einseitig begabte Außenseiter*innen oder Jungs und Mädchen, die als Über- bzw. Unterforderte, als Trennungskind oder Mobbingopfer … so manchen schweren Ranzen in den Schulalltag mitbringen, der für das Vorankommen in ihrer Entwicklung und Schulkarriere hinderlich ist.

Oberstes Prinzip der erfolgreichen Teilnahme an dem Projekt Familienklasse aber ist Freiwilligkeit gepaart mit Zuverlässigkeit. Aus beruflichen oder familiären Gründen, alles andere als einfach für Mütter oder Väter. Jeden Mittwoch von 9 bis 12 Uhr volle Zeit und Aufmerksamkeit für ihr Kind und für die konkreten Tagesaufgaben auf dem Weg zum Erreichen der individuellen Ziele, die gemeinsam von Eltern, Kind und beiden Lehrerinnen der Familienklasse erstellt wurden.

Und diese Ziele sind keineswegs an Schulnoten orientiert, sondern lauten eher – wie die Tafeln mit den Diagrammen der Bewertungen an den Wänden des Familienklassenzimmers zeigen –  „Ich glaube an mich!“ oder „Ich bleibe bei mir und arbeite zügig“ …

A propos Bewertungen: Die Punkte vergeben die Eltern und deren Bewertung ist Thema des abschließenden Stuhlkreises mit Eltern, Schüler* und Lehrer*innen eines jeden Schultages, der mit maximal acht Kindern besetzten Familienklasse.

So auch am 22. Mai, mit eingereiht: Schulsenatorin Scheeres sowie Raed Saleh (Fraktionsvorsitzender der SPD im Abgeordnetenhaus)

 

Dort sowie davor in Gesprächen an den Lerntischen und in der Abschlussrunde der Besucher*innen mit den Lehrer*innen und zwei Eltern gab es die Gelegenheiten um von allen drei Seiten Antworten zu bekommen auf die Frage nach dem in Schulnoten kaum messbaren „Erfolg oder Misserfolg“ des Modells Familienklasse.

1. Es ermöglicht eine am besonderen Bedarf orientierte individuelle Förderung des Kindes in einer das Selbstvertrauen und die Konzentrationsfähigkeit stärkenden Kleingruppe, das sich so auch im Verhalten in der Regelklassen oder in den Hofpausen positiv bemerkbar macht.

2. Eltern erleben ihr Kind in der Schule und durch die fachliche Begleitung erfahren sie auch wie sie ihr Kind beim Lernen besser unterstützen können, was eindeutig zur Stärkung der Eltern-Kind-Beziehung beiträgt.

3. Erfahren Eltern „wie Schule tickt“ und lässt sie Schule als Partner, Förderer und Unterstützer erleben und nicht nur als Amt zur Durchsetzung von allgemeinen Lehrplänen und Erziehungszielen.

Also alles in allem ein Win-Win-Win-Projekt für Kinder, Eltern und Schule. Für das, wie Ute Lehmann von der Schulaufsicht in Spandau betonte, „Wege gefunden werden sollten wie man das Projekt hier an der Grundschule weiter ausbauen und für ganz Spandau entfalten kann“.

Davon scheint auch die Schulsenatorin Scheeres überzeugt zu sein und lenkte den Blick auf das Wesentliche bezüglich eines nachhaltigen Ausbaus: „Das Projekt Familienklasse steht und fällt mit der Überzeugung und Bereitschaft der Eltern – und das kostet Geld, viel mehr als nur für das Stundenkontingent der Lehrkräfte.“

Über eine dauerhafte Förderung freuen würden sich nicht nur die beiden Lehrerinnen des Modells Familienklasse an der GsA Kerstin Lamberty und Yvonne Stoye sondern ganz besonders auch der mit dem Schuljahresende ausscheidende Schulleiter Bernd Jaeke und seine Nachfolgerin ab 2019/20 Ines Lemke.

 

v.l.n.r. Kerstin Lamberty, Senatorin Sandra Scheeres, Bernd Jaeke. Ute Lehmann (Referatsltg. Schulaufsicht) Ines Lemke, Raed Saleh, Tanja Latsch (Schulaufsicht Grundschule) und Yvonne Stoye

 

Bildungssenatorin Scheeres hat im Gespräch an den Lerntischen erfahren: „Die Eltern lernen ihre Kinder aus einem anderen Blickwinkel kennen. Sie werden eingebunden, lernen selber etwas dazu und stehen in engem Kontakt mit den Lehrkräften.“ (nachzulesen auf facebook.com/senbjw)

 

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