Warmwasser- und Heizkostenabrechnung 2020 an Obstallee:

Gewobag: Heizkosten fast verdoppelt

Da haben in den vergangenen Tagen viele Mieter:innen der Gewobag-Wohneinheiten in der Großwohnsiedlung sich verwundert und entsetzt die Augen wund gerieben, beim Anblick der Abrechnung für Warmwasser und Heizkosten im Jahr 2020. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Energiekosten pro Quadratmeter nahezu auf das Doppelte gestiegen, von 1,59 €/m²/mtl. in 2019 auf sagenhafte 2,97 €/m²/pro Monat im Jahr 2020. Grund: seit Januar 2020 hat die Gewobag einen neuen Vertrag über Ökostrom abgeschlossen mit Vattenfall.

Auf ihrer Webseite aber schmückt sich die Gewobag unter “Energie & Nachhaltigkeit” immer noch mit “günstigem Strom aus dem Quartier” und mit einem Foto vom Blasewitzer Ring. Die Realität ist eine ganz andere!

Nicht falsch verstehen, es ist durchaus löblich, wenn eine landeseigene Wohnungsgesellschaft für ihre Wohneinheiten das Produkt “Ökostrom” nutzt. NUR sollten dann auch vor Ort die entsprechenden Bedingungen herrschen, damit das auch ein Fortschritt und Vorteil ist und nicht nur zu Lasten der Portemonnaies der Mieterschaft gehen.

Ökostrom aber in Haushalte zu “pumpen” in denen immer noch – trotz anliegenden Leitungen für Fernwärme – ausschließlich die technisch, ökonomisch und ökologisch längst überholten Nachtspeicherheizungen den Strom “verprassen”, ist purer Unsinn!

Und das – gleichermaßen ausschließlich – auf dem Rücken der Mieter:innen in der Großwohnsiedlung am westlichen Stadtrand, wo nun  nicht Wenige. statt – wie in den Jahren zuvor – die Erstattung eines  Guthabens genießen zu können, nunmehr eine mehrere hundert Euro satte Nachzahlung finanziell zu verkraften haben.

Aus der bezirklichen Mieterberatung des AMV montags 16-19 Uhr im Stadtteilzentrum Obstallee 22E, ein Beispiel der aktuelle Abrechnung für die 412 Wohneinheiten Obstallee 2-22:

2019 Kosten für Brennstoffe/Lieferung/Leistung: 494.402,96 € = 1,59 €/m²/mtl.
2020 Kosten für Brennstoffe/Lieferung/Leistung: 774.517,63 € = 2,97 €/m²/mtl.
Eine Steigerung um 1,38 €/m²/mtl., von 1,59 € auf 2,97 €/m²/mtl.

Übrigens: In den Abrechnungen wurde von der Gewobag als Begründung für die enorme Steigerung, neben dem neuen Vertrag ab 1.1.2020 über Ökostrom mit der Vattenfall Real Estate Energy Sales GmbH. auch die Erhöhung der EEG-Umlage (für Erneuerbare Energie) aufgeführt. Diese gesetzliche Umlage aber ist von 6,405 Cent pro kWh um noch nicht einmal 6% auf 6.756 Eurocent pro Kilowattstunde gestiegen und hat daher an der rund 90%igen Erhöhung der Heizkostenabrechnung 2020 nur einen geringfügigen Anteil. (siehe screenshot unten)

zum Nachlesen:
• Gewobag web Energie & Nachhaltigkeit Quartiersstrom
• staaken.info Mehr Erfahren übers Sparen Februar 2018
• netztransparenz.de  EEG-Umlage, Übersicht, Entwicklung

9 Gedanken zu “Gewobag: Heizkosten fast verdoppelt

  1. Berliner Morgenpost am 26.11.2021

    Gewobag: Kosten-Explosion – Heizkosten in Staaken fast verdoppelt

    Viele Gewobag-Mieter in Staaken müssen teils saftige Heizkosten-Nachzahlungen für das Jahr 2020 leisten.

    Die Preiserhöhung bringt viele Mieter in eine soziale Schieflage. Die Gewobag begründet den Schritt auch mit dem Wechsel zu Ökostrom.

    https://www.morgenpost.de/bezirke/spandau/article233946151/Kosten-Explosion-Heizkosten-in-Staaken-fast-verdoppelt.html

  2. Dann müssen wir wohl Frau Wenke Christoph, der stellvertretenden Vorsitzenden des Aufsichtsrates bei der Gewobag und gleichzeitig Staatssekretärin bei der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen ein paar Zeilen dazu mit Unterschriftenlisten schicken. Wer nimmt es in die Hand?

  3. Auf nd-Anfrage argumentiert die Gewobag nun etwas anders als im Schreiben an die Mieter.

    »Die Veränderung der Kosten ist nicht auf eine Umstellung auf Ökostrom zurückzuführen«, heißt es nun. Drei Effekte seien hierfür verantwortlich: wesentlich ist die Erhöhung von Steuern und Abgaben um über sechs Cent pro Kilowattstunde. Für das Quartier mit über 400 Wohnungen habe das 2020 Mehrkosten von 205.000 Euro gegenüber 2019 zur Folge gehabt. Der Arbeitspreis des Stromtarifs sei nur um rund anderthalb Cent pro Kilowattstunde gestiegen, was zu Mehrkosten von 44.000 Euro geführt habe. Schließlich wurde auch mehr Strom verbraucht, was Zusatzkosten von 31.000 Euro zur Folge hatte. »Letztere entstanden in der Pandemie dadurch, dass die MieterInnen deutlich mehr Zeit zu Hause verbracht haben«, so die Gewobag.

    https://www.nd-aktuell.de/artikel/1158929.landeseigene-wohnungsbaugesellschaften-gewobag-kommt-mieter-teuer-zu-stehen.html?pk_campaign=SocialMedia

  4. Ich kann nur allen Mieterinnen und Mietern empfehlen, Widerspruch gegen Ihre Abrechnung einzulegen und eine Belegprüfung zu fordern. Der AMV – Alternativer Mieterschutzbund e.V. hat bereits für erste Mitglieder Widerspruch eingelegt. Vom Ergebnis werde ich berichten.

  5. Es muss doch eine Möglichkeit geben dagegen vorzugehen !!
    Alte Nachtspeicheröfen , aber ökostrom?!
    Ich muss 400 Euro nachzahlen !
    Mir fällt das auch schwer auch unter Anbetracht der Wohnsituation.
    Die Gewobag setzt auf Ökostrom , ansonsten verwahrlost alles .
    Bei uns wohnen Menschen im Treppenhaus , Müll wird in den Aufgängen wo die Wohnungen liegen , abgestellt .
    Schlösser werden manipuliert , das jeder das Haus betreten kann somit auch die neuen Mitbewohner aus unserem Treppenhaus ! Ich könnte vieles mehr berichten , leider sprengt das hier den Rahmen .
    Anrufe beim Hausmeister bleiben trotz Zusage sich zu kümmern , sinnlos .
    Es passiert nichts , das gilt auch für die Hausreinigung !!!
    Wir wohnen in einem grossen Mülleimer und die MIETE wurde jetzt aufgrund der Heizkosten noch erhöht .
    Ich arbeite und zahle alle Kosten aus eigener Tasche , ich bin nur noch verzweifelt möchte hier weg !
    Leider gestaltet sich die Wohnungssuche sehr schwierig , da es kaum Wohnungen gibt !!!
    Man hat hier nur noch Angst !

  6. Berliner Zeitung am 19.11.2021: Spandauer Mieter schockiert über hohe Heizkosten-Nachzahlungen

    Die landeseigene Gewobag begründet steigende Ausgaben mit neuem Stromerzeugungsvertrag, der nicht mehr auf Kernenergie, sondern auf Ökostrom setze.

    Viele Mieter im Wohngebiet Heerstraße Nord in Spandau sind entsetzt. Der Grund: Die Wohnungsbaugesellschaft Gewobag verlangt mit der aktuellen Nebenkostenabrechnung für das Jahr 2020 hohe Nachzahlungen für die Heizung. „Voriges Jahr habe ich noch mehr als 500 Euro wiederbekommen, dieses Jahr soll ich fast 490 Euro nachzahlen – das sind 1000 Euro Unterschied“, sagt Mieterin Petra Winter aus der Obstallee. Anderen Mietern gehe es genauso, jeder spreche sie darauf an. „Das ist eine katastrophale Zumutung“, sagt die Rentnerin. Es sei doch bekannt, dass in dem Gebiet viele Menschen leben, die wenig Geld haben. „Ich habe Glück, dass ich mit meinem Sohn zusammenlebe“, sagt Petra Winter. „Der ist Lehrer. Aber auch ihm fällt das schon schwer.“

    https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/spandauer-mieter-schockiert-ueber-hohe-heizkosten-nachzahlungen-li.195702?pid=true

  7. Eigentlich sollten doch auch kommunale Vermieter die Nebenkosten, sowie auch die Heizkosten, so niedrig halten wie möglich. Was nutzt teurer Stromtarif, wenn viele Mieter die Verbrauchskosten nicht zahlen können, der Gemeinschaft? Nichts, denn die Kosten trägt schließlich der Steuerzahler und damit die Gemeinschaft.
    Ob wohl die Deutsche Wohnen und Co. auch so wirtschaften? Ich glaube nicht, aber sie sollen ja auch enteignet werden!
    Also, am Ende verschenken auch die Kommunalen nichts, da müssen auch und für Alles die Mieter oder der Steuerzahler blechen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.