Auf ein Neues Part II – die Staakener Dorfkirchenmusiken:

Ende einer Ära und Neustart

Eher wie ein Milleniumswechsel als nur ein schlichter Jahreswechsel ist der von 2019 auf 2020 für den Freundeskreis der Dorfkirche Alt-Staaken und für alle Freunde der Staakener Dorfkirchenmusiken: Nur wenige Wochen nach seinem 80. Geburtstag und nach 27 Jahren mit nahezu 250 Dorfkirchenmusiken in der Hauptstraße Ecke Nennhauser Damm, hat der Initiator, Motor, Organisator, Moderator und Cellist der fast allmonatlich stattfinden Konzerte in Alt-Staaken, Hans-Joachim Scheitzbach  seine „Ämter“ nieder und den Bogen bei Seite gelegt.

Zum Glück aber „nur“ das Ende einer Ära, denn noch vor dem Neujahrskonzert am kommenden Samstag 4. Januar ab 17 Uhr (!) stellt der Freundeskreis seine Konzertplanung bis Mai 2020 vor, inklusive dem neuen Leiter der Reihe, den Flötisten Armin Bassarak.

Sowohl das Neujahrskonzert mit Cappella Vocale und der schon traditionellen Aufführung des Chorwerks Brieger Christnacht 1944, von Max Drischner, wie auch die zwei „turnusmäßigen“ Donnerstagskonzerte der Dorfkirchenmusiken am 18. Januar mit Romanzen u.a. von Beethoven und Svendsen, mit Wolfram Thorau (Violine) sowie dem Gruß an den Stern des Meeres, am 20. Februar mit Teilen des Wolf-Ferrari-Ensemble, werden von Carsten Albrecht geleitet, moderiert und am Klavier begleitet.

Ab Donnerstag dem 19. März wird dann der „neue Kopf“ der Dorfkirchenmusiken, der Solo-Flötist des Berlin-Brandenburger Sinfonieorchesters Armin Bassarak, zusammen mit seinem Trio Giocoso und Werken von Beethoven, Gluck, Mendelsohn-Bartoldy, Mozart und Telemann den Staakener Freunden der klassischen Dorfkirchenmusiken die Flötentöne beibringen.

 

 

zum download:
Programm Staakener Dorfkirchenmusik 01-05 2020

Das Foto ganz oben zeigt H.-J. Scheitzbach mit Frack, Schal und Zylinder beim 200. Jubiläumskonzert im März 2015 in der Dorfkirche Alt-Staaken.

 

Nachfolgend, mit freundlicher Genehmigung des Freundeskreises der Dorfkirche Alt-Staaken, im Wortlaut der Artikel aus der Ausgabe Januar 2020 der Staakener Wetterfahne: 

Staakener Dorfkirchenmusik & H.-J. Scheitzbach:
Eine Ära geht zu Ende!

Als vor 27 Jahren am 13. Mai 1992 die Staakener Dorfkirchen-Musiken mit Hans-Joachim Scheitzbach, Solocellist an der Komischen Oper, in der Dorfkirche Alt-Staaken begannen, konnte wohl niemand ahnen, dass diese Konzertreihe so lange und so erfolgreich bestehen würde. Nun kommt der Abschied von einem begabten und begnadeten Künstler. Ende Oktober 2019 ist er 80 Jahre alt geworden und will nun den Bogen zur Seite legen, bevor ihm die Hände zittern, wie er kürzlich sagte. Auch will er sich mehr um seine Frau kümmern, die oft auf ihn verzichten musste. Über 50 Jahre wohnt er in Woltersdorf bei Berlin, freut sich an seiner Familie, an seinem Anwesen und versteht sich auch auf die Pferdeflüsterei.

In und um Berlin hat er 50 Jahre lang an verschiedenen Orten, auch in Kirchen seine besonderen Kammerkonzerte angeboten und vor allem klassische und spätromantische Werke in kleiner Besetzung zu Gehör gebracht und ernst und auch heiter moderiert. Der Name „Scheitzbach“ wirkte für sich und zog in großer Zahl Freunde der klassischen Musik an. Seine besondere Art Musik zu vermitteln, Herrn Prof. anzusprechen und zugleich aber auch „kleine Leute“ zu begeistern, das war seine besondere Begabung.

Hans-Joachim Scheitzbach wurde 1939 in Leipzig geboren, war also Sachse, und das sagte er auch gelegentlich nicht ohne etwas Stolz, ist doch nicht wenigen Menschen dieses Schlages musisches Talent seit eh und je in die Wiege gelegt worden, wie es auch große Meister belegen. Scheitzbach studierte an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig und wurde dann Mitglied des Gewandhausorchesters Leipzig, zugleich war er einige Jahre Mitglied des Leipziger Streichquartetts. 1967 wurde er Solocellist an der Sächsischen Staatskapelle. In gleicher Position wechselte er ein Jahr später an die Komische Oper in (Ost-)Berlin. Dort wirkte er 36 Jahre lang. Der Abschied fiel ihm schwer.

Aber Hans-Joachim Scheitzbach erfreute mit seiner Kunst und seinem moderierenden Talent in einer Mischung von sächsischem Charme und Berliner Weltläufigkeit weiterhin noch viele Jahre ein großes Publikum. Er verstand es, ehemalige Kollegen und Persönlichkeiten anzusprechen, mit ihnen gemeinsam landauf landab zu ziehen, an verschiedenen Orten zu musizieren und Menschen froh zu machen. Was er als Talent geschenkt bekommen hatte, gab er weiter, und das Publikum dankte es ihm und zog nach einem Konzert mit Scheitzbach stets beglückt von dannen.

Der Gedanke zu den Konzerten in der Dorfkirche entstand Anfang 1992 bei einem Gespräch des früheren Pfarrers der Dorfkirche mit dem damaligen Spandauer Bezirksbürgermeister, Werner Salomon, der West-Staaken und auch der Dorfkirche gewogen war. Er vermittelte ein Gespräch bei dem damaligen Kulturstadtrat, Sigurd Hauff. Und daraus ergab sich Kontakt zum Leiter des Kunstamtes, zu Gerd Steinmöller (+ 2003). Sein Mitarbeiter, Herr Niß, kannte Scheitzbach und so entstand der Gedanke, ihn zu bitten, für Staaken etwas einzurichten, was der besonderen Situation entspricht. Die Staakener Dorfkirchen-Musiken waren geboren.

Das erste Konzert „Der weltliche J. S. Bach heiter getrachtet“ wurde ein Erfolg, und viele Konzerte zu einem angemessenen Honorar folgten. Aus Ost und West, aus Nord und Süd strömten bald begeisterte Besucher zusammen und wurden zu einer treuen und fördernden Konzert-Gemeinde. Und für kleines Eintrittsgeld verwandelte sich die Dorfkirche am 3. Donnerstag im Monat in eine kleine Philharmonie.

Bis Ende 2001 standen die Dorfkirchen-Musiken unter der Verantwortung des Kunstamtes Spandau. Danach übernahm der Förderverein „Freundeskreis der Dorfkirche Alt-Staaken e. V.“ die Trägerschaft, der u. a. auch für diesen Zweck im Jan. 2001 gegründet worden war. Die Dorfkirche wurde unentgeltlich zur Verfügung gestellt, später regelte ein Vertrag mit der Kirchengemeinde die Nutzung der alten Kirche.

Zum 100. Konzert im Januar 2000 waren von J. S. Bach die Brandenburgischen Konzerte III und IV mit dem Kammerorchester der Komischen Oper Berlin zu hören. Die Journalistin Irene Krieger aus Staaken, Oberstudienrätin i. R., schrieb in der Märkischen Allgemeinen am 1. März 2004 über die Dorfkirchen-Musiken: „Mit ihrem großartigen Spiel und der kenntnisreichen und temperamentvollen Moderation von H.- J. Scheitzbach verwandelte das Ensemble die Kirche in einen Ort seelischen Wohlbefindens…“.

Beim 200. Konzert im März 2015 empfing uns Herr Scheitzbach singend mit Frack, Zylinder und weißem Schal als „Theaterdirektor“ unter dem Motto „Reminiszenzen aus 200 Konzerten durch drei Jahrhunderte“. Besondere Höhepunkte stellten im Laufe der Jahre einige Konzerte mit dem letzten Ministerpräsidenten der ehemaligen DDR, Lothar de Maizière dar, mit dem Hans-Joachim Scheitzbach gut bekannt war.

Insgesamt waren es fast 250 Konzerte, die der Cellist Scheitzbach in Staaken organisiert und moderiert hat. In den 27 Jahren strömten fast 30.000 Besucher zusammen und füllten die alte Kirche mit Leben und Freude. Es bleibt am Ende der Dank an Hans-Joachim Scheitzbach und die Hoffnung, dass die Staakener Dorfkirchen-Musiken in seinem Sinne von anderen Künstlern und der Konzert-Gemeinde weitergetragen werden, damit „die Sprache der Musik“ zwischen den verschiedenen Himmelsrichtungen weiterhin verbindet.

Der Vorstand des
Freundeskreises der Dorfkirche Alt-Staaken e. V.
Vorsitzende: Veronika Godau
Hauptstr. 12 | 13591 Berlin (Staaken)
Tel.: 030/ 367 112 63
e-mail: vorstand @ fdk-dorfkirche-altstaaken.de
Internet: www.fdk-dorfkirche-altstaaken.de

 

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