Gedenkstunde 75. Jahrestag der Novemberpogrome

Gedenktafel Lindenufer/Kammerstraße

Am kommenden Freitag, 8. Nov. um 10 Uhr wird am Mahnmal Lindenufer den Zerstörungen, Überfällen, Morden und Massenverhaftungen im Rahmen der Pogrome gegen die jüdischen Mitbürger gedacht, der am 9.11. 1938 auch die Spandauer Synagoge zum Brandopfer fiel.

 

Zur Gedenkveranstaltung eingeladen hat der Evangelische Kirchenkreis Spandau und neben Bezirksbürgermeister Kleebank, Stadträten, Bezirksverordneten und möglichst vielen Spandauer Bürgern werden als Gäste von der Jüdischen Gemeinde Berlin, der Vorsitzende Dr. Gideon Joffe und der Gemeindekantor Simon Skorenblut erwartet. Angekündigt hat auch die Jugendgeschichtswerkstatt, aus diesem Anlass dort eine Gedenkstele der Öffentlichkeit zu übergeben, die an die Novemberpogrome und die Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 erinnern wird.

Mahnmal_Lindenufer_Synagoge_Spandau Wikimedia Commons

 

Gedenkstunde Pogromnacht
Freitag 8. Nov. 10 Uhr
Mahnmal Lindenufer
Höhe Kammerstraße

 

 

Die deutschlandweiten Pogrome gegen die jüdischen Mitbürger und ihre Vereine, Einrichtungen und Gotteshäuser wurden vom Nazi-Regime  als vermeintliche Reaktion der „Volksgenossen“ auf das Attentat eines jüdischen Studenten auf einen deutschen Botschaftsangehörigen am 7.11.38 in Paris organisiert. Der aus Polen stammende Attentäter hat damit auf die massenhaften Ausweisungen polnisch stämmiger Juden aus Deutschland im Oktober reagiert.

Aber viele Belege weisen eindeutig darauf hin, dass die Pogrome von langer Hand vorbereitet wurden. So  bekamen im Oktober 1938 z.B. die Konzentrationslager, in denen bis dahin „nur“ politische Häftlinge und keine rassisch Verfolgten einsaßen, massenhaft Matratzen- und Strohlager geliefert und wurden angewiesen vorsorglich tausende Judensterne auf Häftlingskleidung nähen zu lassen.

Obwohl die Nachricht vom Attentat erst am 8.11. in der deutschen Presse- und im Rundfunk veröffentlicht wurde begannen die ersten Ausschreitungen gegen deutsche Juden bereits am 7. November. In den Tagen und Nächten bis zum 10.11. 38 wurden ca. 400 jüdische Mitbürger ermordet oder zum Selbstmord gezwungen und eine unbekannte große Zahl jüdischer Frauen vergewaltigt. Rund 30.000 Juden wurden verhaftet und in die Kzs Dachau, Buchenwald und Sachsenhausen deportiert. Nach heutigen Zahlen geht man davon aus, dass bis zu 1.400 Synagoge, Gemeinde- und Gebetshäuser durch Brand zerstört wurden. Alleine in Berlin brannten 11 von 14 Synagogen restlos nieder, die übrigen drei wurden schwer beschädigt. Dazu fielen 7.500 Gemeindehäuser, Geschäft und Wohnungen den Pogromen zum Opfer.

 

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