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Fachkundiger Austausch – Merkwürdiger Nachschlag

Veröffentlicht am 08. 05. 2013

Senator Müller (Mitte), Bürgermeister Kleebank und Frau Dittmar vom QM – von der Seite aus dem Off eine Störung

Zu einem fachlichen Austausch mit Quartiersmanagement und Gemeinwesenverein mit Begehung im Quartier Heerstraße kamen in Begleitung von Referenten am Montag Stadtentwicklungssenator Müller, Bezirksbürgermeister Kleebank, Bürgerdienste-Stadtrat Machulik und der im Bezirk für die Städtebauförderung „Soziale Stadt“ zuständige Baustadtrat Röding in unsere Großsiedlung.
Da schon die erste Merkwürdigkeit: ein Pressevertreter war dabei.

Folge: Aussagen des naturgemäß offenen und ungeschminkten Austauschs über die Situation im Stadtteil, über die durchgeführten sowie geplanten Maßnahmen und Projekte im Rahmen des Quartiersmanagements vor allem aber die von den Teilnehmer/innen zur Sprache gebrachten persönlichen Eindrücke über einzelne Erscheinungen und Verhaltensweisen von Menschen im Stadtteil landen tags darauf, aus dem Zusammenhang gerissen und verallgemeinernd in der Zeitung.

Es scheint wohl – selbst für erfahrene, renommierte Presseleute, wie Herr During vom Tagesspiegel – zu verlockend zu sein, Klischees über Großsiedlungen am Stadtrand zu bedienen, um das düstere Bild eines Vorstadtghettos für sozial Schwache, Bildungsferne und Gewaltbereite zu zeichnen, in dem niemand freiwillig wohnen, geschweige denn die Kinder zur Schule schicken möchte.

Es hilft da nicht, das viele Grün inmitten der Siedlung, mit Plätzen, die von Familien, von Jugendlichen oder Senioren gerne angenommen werden zu zeigen oder von den attraktiven Angeboten in Schulen, Kitas, Freizeiteinrichtungen und Vereinen wie auch von dem zahlreichen Engagement der Ehrenamtlichen aus dem Kiez zu berichten. Selbst das von Zahlen und Inhalt eher dünne Ergebnis des sog. Sorgentelefons oder die Einschätzungen der Fachleute von Polizei und Statistik, die eindeutig zeigen, dass Heerstraße kein „kriminalitätsbelasteter Ort“ mehr ist werden ignoriert. Denn das skandalträchtige, stigmatisierende Urteil steht schon vorher fest: Ein gruseliger Ort mit Gewalt und Kriminalität.

Dem könnten die vielen Menschen die hier z.T. schon seit Jahrzehnten gerne leben und/oder arbeiten eine Menge entgegensetzen.

Thomas Streicher

7 Gedanken zu „Fachkundiger Austausch – Merkwürdiger Nachschlag

  1. Dieter sagt:

    Im Nachgang zu dem Bericht, ist den Vorschreibern fast nichts hinzu zufügen, doch einige Anmerkungen muss ich loswerden.
    Die negativen Äußerungen über unseren Bezirk Spandau- Staaken, können so nicht stehen bleiben !
    Wer Berlin kennt, weiß dass es in mehren Bezirken schwarze Ecken gibt und auch dazu schwarze Schafe, unseren Bezirk nicht zu kennen und doch nur negativ bewerten
    wäre mit Vorkenntnissen und Rundgang ggf. auch mit Bürgerbefragung ausgeblieben,dennoch bevor man sich zu abschließend Äußert, sollte man mehr Zeit nehmen und auch hinter den Kulissen schauen!

    In unserem Bezirk Spandau- Staaken, kann man sich Wohlfühlen, vorausgesetzt wie überall im Leben, man muss sich Anpassen und helfende Hände für Verbesserung sind nie Verkehrt.
    Dieser Bezirk ist gut durchdacht und hat viele Helfer vorzuweisen, sodass niemand auf der Strecke bleiben kann, dies ist alles nur möglich durch gezieltes starkes einsetzen der Frau Dietmar und ihre Helfer möglich,viele davon arbeiten Ehrenamtlich und Opfern viel Privatzeit zum Wohle der Staakender Bewohner.
    Alles wäre nicht möglich durch, wenn die gute Zusammenarbeit der Helfer ausblieben
    daher ist auch nicht zu vergessen, dass dieser Bezirk vom Rathaus über die Polizei und Vermieter,Kirchengemeinde, Rechtsanwalt u.a. , mit den Bürgern großes leisten, daher kann man sich hier nur wohlfühlen!
    Kriminalität ,wie Schießereien, Kinder an Heizungen bis zum Tot Fesseln oder aus Fenster zu Werfen oder in Kleidertonnen, fand in anderen Bezirken statt und sind hier
    undenkbar, weil hier viel Vorarbeit geleistet wird, die Kriminalität ist auch Überschaubar und Bürger die Hilfe benötigen wie Junge Leute und auch Ältere Bürger können bei Anfragen auch darauf Bauen.

    Es wäre bestimmt besser, bevor man sich Äußert ,mehr Infos zu Sammeln.

    Wir sind auf dem Richtigen Weg und können uns als Vorbildbezirk sehen lassen,hier geht es nur Aufwärts!

  2. Nicole sagt:

    Welch düstere Prognosen Herr Röding und Herr During hier doch zeichnen, ohne Zukunft und Hoffnung. Das macht einen erstmals Fassungslos und auch Sprachlos. Ich dachte immer der Tagesspiegel berichtet solide, doch dieser Artikel liest sich wie einer aus der Bild oder der BZ, fehlt nur noch das entsprechende Bildchen! Es ist eine Schande wie wenig Aufmerksamkeit der erfolgreichen, sozialen und engagierten Arbeit der hier täglich arbeitenden Akteuren gewähr wurde! Teilen eigentlich noch mehr Politiker Ihre Meinung, Herr Röding?

  3. Brigitte Stenner sagt:

    Als ehemalige Bewohnerin von Heerstraße Nord, die dem Stadtteil immer noch verbunden ist, könnte ich mir vorstellen, hier wieder herzuziehen. Was hier an Angeboten für alle bereitgehalten wird und wie lebendig und bunt es in den letzten Jahren geworden ist, das kann ich im „verschnarchten“ Wilmersdorf nicht finden.

    Sicherlich, viele Menschen haben viele Probleme, aber die werden Ihnen auch größtenteils gemacht.
    Die Einrichtungen im Stadtteil können dazu beitragen, die Lebensbedingungen der Menschen zu erleichtern, aber grundsätzlich ändern können das nur veränderte Strukturen und politische Entscheidungen.

  4. Stefan Pfeiffer, Vorstand Gemeinwesenverein Heerstraße-Nord sagt:

    Ich habe einige Jahre für ein städtisches Wohnungsunternehmen in Marzahn gearbeitet. Aus dieser Zeit kenne ich solche Missverständnisse, die entstehen, wenn ein Kleinbürger auf eine Großsiedlung trifft. Erstaunlich für ein Blatt unter dem Motte „rerum cognescere causas“ oder „Den Dingen auf den Grund gehen“. Nicht die Feststellungen in dem Artikel sind das Problem, sondern die Schlussfolgerungen. Alle wissen, dass hier mehr arbeitslose und ärmere Menschen wohnen als früher. Dafür wohnen in Kreuzberg und in Friedrichshain jetzt weniger. So etwas nennt man Segregation und das geschieht in der ganzen Stadt und in allen Großsiedlungen. Das ist aber keine Bürde und kein Schicksal, sondern eine Aufgabe. Der Charakter einer Stadt zeigt sich nicht dort, wo angeblich alles gut ist, sondern dort, wo die wohnen, die arm, arbeitslos, alt und ausländisch sind. Warum ist ein Quartier schlimm, wenn das JobCenter für viele die Miete zahlt? Ist es etwa dort besser, wo millionenschwere Investmentbanker ihre Lofts haben? Das sind Zuschreibungen, vor denen wir uns hüten sollten. Nicht der soziale Status sollte den Wert eines Menschen definieren, nicht seine Fähigkeit Miete zu zahlen, sondern Mitgefühl, Menschlichkeit und Engagement. Und genau dies ist das Missverständnis von Herrn During und leider auch von Herrn Röding, die die Armut für das eigentliche Problem halten. Dabei ist sie nur die Folge von den eigentlichen Problemen wie Ausgrenzung, zu geringe Bildung, Desinteresse und Verachtung. Zum Glück gibt es viele einfallsreiche Akteure im Quartier, in der Verwaltung, in der Politik und darüber hinaus, die Tag für Tag daran arbeiten, die schlimmen armen Menschen zu unterstützen statt sie zu stigmatisieren. Ich bin stolz drauf, dass unser kleiner Verein dazugehört. Und ich finde, wir sollten darüber nachdenken, wie wir den Tagesspiegel und den Baustadtrat für unsere Sache gewinnen können.

  5. Cord Hasselblatt sagt:

    Mit großen Augen und spürbar erschrocken ist Rainer W. During gewissermaßen an der Hand von Frau Sperling und Frau Dittmar durch das ihm vorher offenbar unbekannte Quartier Heerstraße – Nord gestolpert und hat fassungslos erschröckliche Stories über sonderbare Erfindungen aufgenommen. Dieser Ausflug in eine andere Welt hat ihn offenbar nachhaltig daran gehindert, die positive Arbeit der vielen sozialen Akteure des Quartiers ähnlich anschaulich zu schildern. Besucher und Spaziergänger, auch wenn sie politisch oder journalistisch tätig sind, neigen offenbar dazu, ersten Eindrücken und dem Bauchgefühl zu folgen. Mit journalistischer Sorgfaltspflicht hat das sehr wenig zu tun!
    Mit freundlichen Grüßen, Pfarrer Cord Hasselblatt

  6. Sam sagt:

    Eine Idee fürs Quartiersmanagement! Vor dem nächsten Pressebesuch ein Workshopangebot für Provinzjournalisten in drei Modulen:
    Modul1 Zuhören Lernen leichtgemacht
    Modul2 Richtig Hinschauen für Einäugige
    Modul3 Hirn Einschalten vor Schreiben

    Vielleicht kommt dann ein der Realität angemessener Artikel bei rum

  7. Ulrike Schmidt sagt:

    Lieber Herr Streicher,

    gestern habe ich mich noch über den Besuch von Herrn Röding und Herrn Kleebank gefreut, die auch dem Staaken-Center einen kurzen Besuch abgestattet haben.
    Heute bin ich natürlich genauso verärgert über den Bericht im Tagesspiegel und darüber, wie das gesprochene Wort dann in der Zeitung ausgelegt wird.
    Letztendlich ist der Besuch gestern aber ein weiterer Schritt (hoffentlich) in die richtige Richtung. Die sozialen Einrichtungen, Mitarbeiter kurz um der Kiez braucht Unterstützung. Gerne auch vom Stadtentwicklungssenator und Bezirksbürgermeister. Und die Zeitung von heute interessiert morgen niemanden mehr.
    Ich arbeite auch weiterhin gern hier und freue mich schon auf unser Centerfest im Juni. Dann hat die Presse mal was Positives zu berichten.

    Beste Grüße vom Staaken-Center-Centermanagement
    Ulrike Schmidt

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