Ein Projekt des Quartiersmanagements Heerstraße
Die vom Quartiersmanagement, der Stadtteilzeitung TREFFPUNKT und dem Stadtteilportal staaken.info initiierten Geschichtstreffs haben sich schon in mehreren Veranstaltungen und Ausstellungen mit der Geschichte der Großsiedlung Heerstraße auseinandergesetzt.
Vor 100 Jahren im Jahr 1911 wurde die Heerstraße als Verbindung zum Umland und für das Militär zum Truppenübungsplatz fertiggestellt. Da die Heerstraße das Quartier in Staaken auch heute noch deutlich prägt und ihm den den Namen gibt ist es fast folgerichtig, dass sich seit Anfang 2011 an lokaler Geschichte interessierte Mitbürger/innen zu einem Arbeitskreis des Geschichtstreffs zusammenfanden um gemeinsam und ehrenamtlich das Jubiläum mit Ausstellung, Veranstaltung und geführten Themenausflügen zu gestalten.
Diese Sonderseite “100 Jahre Heerstraße” begleitet den Arbeitsprozess der Ausstellungsmacher/innen auf dem Weg von Recherche bis zur Ausstellung und gibt so auch schon vorweg Einblicke wie sich 100 Jahre Deutsche Geschichte links und rechts der Heerstraße dokumentieren.
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03. 07. 2011
Die Planung der Heerstraße initiiert von
Ludwig Hercher, Deutsche Bank und Militär
Die Heerstraße beginnt am Knie, so die Ausstellungspläne der Arbeitsgruppe des Geschichtstreffs unseres Stadtteils zu 100 Jahre Heerstraße.
Denn „Am Knie“ mit Bismarckstraße und Kaiserdamm begann 1903 der Ausbau eines breiten Boulevards, der mit Reichskanzlerplatz die Westend-Siedlungen und westlich davon die Sport- und Ausflugsstätten sowie neue Siedlungsgebiete erschließen sollte.
„Am Knie“, weil dort, am heutigen Ernst-Reuter-Platz, die damalige Berliner- bzw. Charlottenburger Straße, die prachtvolle und schnurgerade Verbindung von Berlin nach Preußens reichster Stadt Charlottenburg Richtung Rathaus und Schloss abknickte. Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts führte nur der schmale Mühlenweg geradeaus weiter in Richtung Lietzensee. Mit der rasanten Ausdehnung Charlottenburgs in der Gründerzeit nach Süden wurde aus dem Mühlenweg zuerst die schmale Bismarckstraße, deren Bebauung dann für den Ausbau 1903 zum breiten Boulevard abgerissen wurde.

Charlottenburg 1857 - Von Westen kommend, oberhalb des Hippodroms die Charlottenburger-/Berliner Chaussee, "Am Knie" Richtung Schloss Charlotenburg abknickend (heute Otto-Suhr-Allee). Geradeaus führt die kleine Mühlenstraße, die spätere Bismarckstraße, noch meist durch unbebautes Land
Hier trafen sich die Interessen des kaiserlichen Hofes, der Stadtplaner und die der Immobilienentwickler: Nach Gründung des Kaiserreiches unter preußischer Führung 1871 schwebte dem Hof und vor allem Reichskanzler Bismarck eine Hauptstadt vor, die in Größe und Pracht dem besiegten Paris nicht nachstehen sollte.
So wurde bereits 1898 vom Baurat Ludwig Hercher in der Deutschen Bauzeitung eine breite Allee mit repräsentativer Bebauung gefordert, die wie das Vorbild Kurfürstendamm eine Verbindung nach Westen zum Grunewald schafft. Diese Prachtstraße vom Knie bis Pichelsberg bot den Immobiliengesellschaften und Financiers – allen voran der Terraingesellschaft der Deutschen Bank – neben stattlichen Bauten entlang der Straße auch die angemessene Erschließung von hochpreisigen Villenkolonien und Siedlungen.

Der noch weitgehend unbebaute Reichskanzlerplatz - aber schon mit den U-Bahneingängen. Ebenso wie die Westend-Siedlung, war die U-Bahn von der Deutschen Bank finanziert.
So entstand von 1903 bis 1911 eine fast durchgehend schnurgerade Verbindung über Reichskanzlerplatz (Theodor-Heuss-Platz), Scholzplatz und den Brücken bis zur Einmündung der Hamburger Chaussee in Staken und letztlich dem Truppenübungsplatz Döberitz.
In fast allen Texten zur Geschichte der Heerstraße ist zu lesen, dass die Straße 1911 im Beisein des Kaisers feierlich eröffnet wurde. Die acht Frauen und Männer der AG des Geschichtstreffs haben jedoch bislang, trotz aller Recherchen, keinerlei Beleg für eine feierliche Einweihung der Heerstraße gefunden, und gehen bislang davon aus, dass mit dem Kaisermanöver im Herbst 2011 auf dem Truppenübungsplatz quasi „nebenbei“ auch die Fertigstellung der Heerstraße gewürdigt wurde.
Finanziert wurde der aufwendige Straßenbau nicht aus den Töpfen des Reiches oder des Militärs, sondern die angrenzenden Städte, Landkreise und Gutsbezirke mussten für die Kosten aufkommen. Der Magistrat Spandaus war deshalb alles andere als begeistert über die Heerstraßenplanung, denn letztlich musste die damals eigenständige Stadt damit Geld aufbringen für eine komfortable Verbindung in das Umland, die an der Zitadellenstadt vorbeiführt. Und nichts scheuten die Spandauer Stadtväter seinerzeit mehr als „Groß-Berlin und Zweckverband“ und befürchteten, dass entlang der Trasse Siedlungen entstehen werden, die ihnen die letzten Argumente zum Erhalt der Eigenständigkeit rauben werden.
Ausflüge per Rad und/oder Bus zu Sehenswertem links und rechts der Heerstraße. Treffen jeweils 11 Uhr Kulturzentrum Gemischtes, Sandstraße 41. Anmeldung und Informationen unter 617 400 77.
Teil I Planung und Bauzeit
1897 Die „Neue Zeit“ berichtet über Pläne des Militärs für eine Heerstraße bis Döberitz mit Havelbrücken zwischen Pichelswerder und Tiefwerder
1898 Regierungsbauführer Ludwig Hercher veröffentlicht in der Deutschen Bauzeitung seinen Vorschlag zum Bau eines breiten Boulevards von Am Knie bis Pichelsberg
1902 Abriss der Bebauung auf der Südseite der noch schmalen Bismarkstraße
1903 – 1906 Bau des Abschnitts von Am Knie mit Verbreiterung der Bismarckstraße, dem Kaiserdamm bis Reichskanzlerplatz
1906 – 1908 Realisierung des Boulevards durch den nördlichen Grunewald bis zum Stößensee. Zur Finanzierung wird vom Forstfiskus ein breiter Streifen entlang der Straße in baureife Parzellen verwandelt
16. März 1908 Die U-Bahn zum Reichskanzlerplatz wird kurz vor der öffentlichen Freigabe vom Kaiser abgefahren
1908/09 Die Brücken über Stößensee und Havel werden gebaut und beidseits die Dämme aufgeschüttet.
1909 Die Pferderennbahn Grunewald wird auf dem Areal des heutigen Olympiastadions eröffnet. Drei Jahre später wird unter Einbeziehung der Rennbahn das Deutsche Stadion nach Entwürfen von Otto March errichtet. Vorgesehen für die Olympischen Spiele 1916, die aufgrund des 1. Weltkriegs nicht stattfinden.
1911 Mit der Döberitzer Heerstraße ist der Anschluss zur Fernstraße nach Hamburg und zum Truppenübungsplatz Döberitz fertig gestellt. Dort ist das Kaisermanöver mit zum ersten Mal auch Beteiligung von Flugzeugen ein erster Höhepunkt.
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[...] ist der “Geschichtstreff” jeden 2. Mi im Gemischtes aktiv auf den Spuren von 100 Jahre Heerstraße, die am Knie beginnt. Als Sommerferien-Programm werden Dutzende von Mitbürger/innen per Fahrrad oder [...]